Die Piraten, die Grünen und das Tanzverbot

Posted on April 6, 2012

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Ursprünglich wollte ich ja lediglich >>diesen<< (im Übrigen lesenswerten) Blogpost kommentieren. Dann habe ich allerdings beschlossen, doch selbst noch einen Post zum Thema zu schreiben.

Zunächst mal: Ich feiere Ostern nicht. Dementsprechend wird es am Sonntag bei uns auch kein Festessen und keine überteuerten Geschenke geben. Der Grund dafür ist einfach: Ich glaube nicht an Jesus Christus. Wieso sollte ich also seine angebliche Wiederauferstehung feiern?

Wer daran glaubt und Ostern feiern möchte, soll das gerne tun. Rücksicht auf entsprechende Gottesdienste und Veranstaltungen ist dabei natürlich auch Nichtchristen geboten. Aber einfach ein landesweites Tanzverbot auszusprechen, regelt die Sache meiner Meinung nach nicht angemessen.

Das sahen die Grüne Jugend Hessen und die hessischen Piraten genauso, weshalb sie beschlossen, am heutigen Karfreitag in mehreren deutschen Städten zu einer Demo in Form eines Flashmobs aufzurufen. Dabei war das Ziel nicht die Störung christlicher Feierlichkeiten, sondern schlicht das Aufmerksammachen darauf, dass das Gesetz einfach nicht mehr zeitgemäßg ist. Diese geplanten Demonstrationen sind gerichtlich untersagt worden, was ich nicht verstehen kann. Zumal die Demonstranten ihre Musik ja über Kopfhörer abspielen wollten und gar keine Lärmbelästigung entstanden wäre. Zudem haben die Demos im letzten Jahr bereits stattgefunden, wenn auch in anderen Städten.

Die GJH hat daraufhin beschlossen, ihren Protest ins Internet zu verlegen, während die Kasseler Piraten eine Anti-Demoverbots-Demo anmeldeten – die genehmigt wurde, ausdrücklich auch mit Tanz.

Nun wird also wieder über den Karfreitag diskutiert und die GJH wird als „toleranzlos“, die Forderung nach Abschaffung des Tanzverbots als eine „dumme Idee“ angegriffen. Dabei wird eines gerne vergessen: Auf unserem letzten LaBei haben wir mit einer Vertreterin der Evangelischen Jugend Hessen und Nassau (EJHN) gesprochen. Die EJHN hat zum Thema Tanzverbot folgende Pressemitteilung herausgegeben, in der sie das Tanzverbot ebenfalls für überholt erklärt:

Die Forderung nach einer Aufhebung des Tanzverbots an Karfreitag kommt also nicht nur von irgendwelchen gottlosen Rebellen, sondern auch von den Betroffenen selbst: jungen Christen, die den Tod ihres Herrn betrauern und es trotzdem jedem freistellen wollen, wie er oder sie diesen Tag begeht.

Im weiteren Verlauf der Diskussion ist ja ein gerne genanntes Argument: „Ohne Jesus hättet ihr heute auch keinen Feiertag!“ Nun gut, es mag sein, dass ohne das Christentum nicht ausgerechnet heute ein Feiertag wäre. Aber freie Tage gibt es, weil der Mensch einfach auch mal eine Auszeit braucht, nicht wegen dem Christentum – oder was haben Winter-, Herbst- und Sommerferien mit religiösen Festen zu tun? Hätte man damals bei der Festlegung unbedingt andere Feiertage haben wollen: man hätte Anlässe dafür gefunden.

Mal von Karfreitag abgesehen, habe ich im Moment ja sowieso Ferien. Ob man die nun Oster- oder Frühlingsferien nennt, kann man sich dann ja aussuchen.

***

Ich denke, in diesem Zusammenhang passt es auch ganz gut, mal was über die Piraten zu schreiben. In grünen Kreisen wird diskutiert, wie wir denn nun eigentlich zu der neuen Partei stehen, die plötzlich die Landtage stürmt. Lesenswert finde ich dazu >>diesen<< Beitrag. Im Gegensatz zu dessen Autorin stellen viele die Piraten als Gegner der Grünen dar. Aber ich glaube, unser Problem ist ganz einfach folgendes: Wir haben Respekt vor den “Neulingen” und auch ein wenig Angst – davor, dass unsere Wähler und Mitglieder zu den Piraten überlaufen, jetzt, wo sie plötzlich die neue und attraktive Partei ist. Vor allem ja auch für Jüngere, wie es heißt. Wobei ich dazu sagen muss: Ich bin 15 Jahre alt, nutze Laptop und Smartphone täglich und würde trotzdem kein Pirat sein wollen – allein schon deshalb, weil ich keinen Grund sehe, mich von dem Grünen abzuwenden.

Die Piraten aber als Gegner anzusehen, ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz; zumal sich ja einige Forderungen auch überschneiden. Warum dann also nicht einfach gemeinsam für die gute Sache kämpfen, als auch noch gegeneinander? Wenn wir „Inhalte statt Köpfe!“ fordern, wäre es doch nur logisch, auch zu sagen: „Inhalte statt Flaggen!“ Denn ob es nun Piraten oder Grüne sind, die da gegen ACTA und das Tanzverbot demonstrieren, ist doch nun eigentlich unrelevant.

P.S.: Wo wir schon beim Internet sind: Ich möchte mich nicht gerne von der US-Regierung ausspionieren lassen. Ihr sicher auch nicht, deshalb bitte >>hier<< die Petition gegen CISPA mitzeichnen. Danke!

Posted in: Meinung, Politik