Wie Woyzeck. Nur anders.

Posted on February 26, 2013

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Ja, manchmal kopiere ich mittelmäßig wertvolle Texte, die ich für die Schule oder aus sonstwelchen Gründen geschrieben habe, einfach mal hier rein. Ihr kennt das. Heute zum Beispiel.

Es ging auf Mitternacht zu, als Roy und Maria sich auf den Weg in die Stadt machten. Es war Freitag, die Woche war hart gewesen und jetzt wollten sie sich einfach ein wenig Party gönnen. Außerdem hatten sie etwas zu feiern: Zwei Jahre war es inzwischen her, dass sie sich kennengelernt und Hals über Kopf ineinander verliebt hatten. Maria hatte es ja am Anfang gar nicht zugeben mögen, weil Roy an ihrer Schule eher zu den Außenseitern gehörte, die sich auf dem Schulhof blöde Sprüche anhören mussten. Aber Roy hatte einen Weg gefunden, sie und vor allem ihre Freundinnen von seiner Coolness zu überzeugen: Wenn sie in ihrer Ecke standen und über Lehrer und peinliche Auftritte von Stars lästerten, brachte er ihnen Zigaretten. Dann standen sie zu fünft da, schauten abfällig zu den anderen Schülerinnen und Schülern herüber, lachten gackernd und pafften vor sich hin. Roy rauchte ja nicht, eigentlich, aber er hatte Maria zuliebe damit angefangen. Die rauchte ja eigentlich auch nicht, aber als sie ihre Clique kennenlernte, fing sie damit an. Sie wollte ja dazugehören. Und das hatte sie erfolgreich hinbekommen.

Heute aber war das alles unrelevant. Die beiden hatten beschlossen, den Abend zu zweit zu verbringen und in die Disco zu gehen, in der sie damals vor zwei Jahren auch zum ersten Mal zusammen gewesen waren.

Roy parkte das Auto in einer Seitenstraße und die beiden liefen zur Disco hinüber. Schon von weitem wummerte ihnen die Musik entgegen. Ihre Laune war bestens und schon wenig später tanzten sie ausgelassen durchs Halbdunkel. Es dauerte auch nicht lange, bis sie beide einen Drink in der Hand hatten, und ach, warum zur Feier des Tages eigentlich nicht noch einen….und noch einen? Ihre Bewegungen wurden ausgelassener, der Alkohol begann zu wirken, sie hatten jede Vernunft längst vergessen; feierten sich verliebt und gedankenlos durch die Nacht.

Doch plötzlich geschah es: Roy kam gerade – bereits leicht schwankend – von der Bar zurück, als ihm auffiel, wie Maria schnell den Blick von einem anderen Typen abwandte, der ein paar Meter weiter alleine tanzte. Sie beide kannten ihn nur zu gut, es war einer von Roys leidenschaftlichsten Mobbern und folglich einer der ganz Coolen an der Schule. Roy konnte es nicht fassen. Maria und – der? Dieses Scheusal?? Wie konnte sie ihm das an ihrem Jubiläum antun?! Er versuchte sich zu beruhigen, redete sich ein, dass er sich sicher verguckt habe. Doch dann fiel ihm ein, was eine von Marias Freundinnen ihm neulich im Facebook geschrieben hatte… Damals schon hatte er es nicht glauben wollen und sich eingeredet, dass das doch nur ein dummer Scherz sei. Konnte es wirklich sein, dass sie Recht behielt?

Roy machte sich gar nicht die Mühe, Maria danach zu fragen, ob und was zwischen ihr und diesem…Typen lief. Er ließ die beiden Gläser in seiner Hand wütend zu Boden fallen, wo sie zersprangen und ihren Inhalt über den ganzen Boden verteilten. Aber das war ihm egal. Bald war er bei Maria angelangt und packte sie hart am Ärmel. “Hey Roy, lass das! Was ist denn mit dir los?!”, rief sie, doch da begann er bereits, sie Richtung Ausgang zu schleifen. Die Menschen auf der Tanzfläche erstarrten, gafften sie schockiert an. Keiner von ihnen ging dazwischen. Schließlich standen Maria und Roy auf der Straße. “Was willst du von mir?! HILFE!”, schrie Maria verzweifelt. Über die Musik, die von drinnen dröhnte, war sie jedoch kaum zu verstehen. “Ich hab nur was im Auto vergessen. Komm mit!”, zischte Roy ihr zu. Sie versuchte weiter, sich von ihm loszureißen, aber sein Griff war zu fest. Ihre weiteren Schreie erstickte er, indem er ihr die zweite Hand vor den Mund hielt. Sie biss und trat nach ihm, doch er war wie besessen vor Eifersucht. Rasend vor Zorn und Schmerz zerrte er sie immer weiter, bis in die Seitenstraße, wo ihr Auto stand. Hier gab es keine Laternen, und Menschen kamen zu dieser Uhrzeit nur äußerst selten vorbei. “Ich habe nur was vergessen…Ich vergesse mich!”, zischte Roy und funkelte sie an. Stieß sie gegen das Auto, wieder und wieder. Schubste sie zu Boden; trat wieder und wieder auf sie ein. Bis sie sich nicht mehr rührte…