Wo ist meine Generation?

Posted on April 22, 2013

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Die netzpolitische Nachricht des Tages ist wohl unumstritten die Ankündigung der Telekom, in Zukunft wie bei Mobilfunkverträgen auch bei Festnetzanschlüssen Drosselungen einzuführen. Eine gute Zusammenfassung der Problematik ist meiner Meinung nach der Blogpost “Danke, Telekom”. Unter verschieden Hashtags wie etwa #spottdrossel und #funktionalkaputt wurde viel gewettert, sogar herrlich vertont hat man die Kritik. Auf Twitter und sicher auch anderswo wurden aufgeregte Diskussionen geführt und es gibt auch eine Petition gegen die Vorhaben der AG. Auf junggruendigital ist vom “Ende des Flatrate-Gefühls” die Rede.

Aber man kennt das ja: So schnell wie ein Shitstorm aufkommt, ist er meist auch wieder verflogen – ohne außerhalb der Filterbubble Timeline wirklich einen großen Effekt hinterlassen zu haben. Bis jetzt hat das Thema es nicht mal in die Trending Topics geschafft. Meine Befürchtung ist: Schon viel zu bald werden wir wieder etwas Anderes finden, worüber wir uns aufregen müssen. Es gibt dieser Tage einfach so viel, gegen das man protestieren müsste, dass sich eben jener Protest zerfasert und verläuft. Letztendlich schreiben die Einen mal eine PM hierzu und die Anderen flashmobben ein bisschen dagegen. Das ganze Engagement will ich auch gar nicht herunterspielen. Aber die großen Veränderungen bleiben aus.

Denkt mal kurz zurück an ACTA. Wisst ihr noch, wie großartig es war, als die Netzgemeinde auf die Straßen der realen Welt ging – europaweit? Wir haben es geschafft, die Netzpolitik aus ihrer entlegenen Nische ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken. Wir haben Menschen mit dem Thema der Netzneutralität politisiert. Wir waren eine Generation. Die “Generation Twitter”, die ihr Internet verteidigt hat.

Ich wünsche mir, dass wir genau das noch einmal schaffen. Dass aus Tweets Kampagnenslogans werden. Dass wir den Menschen endlich die Bedeutung der Netzpolitik nachhaltig vermitteln können. Dass die Vertragsänderung gekippt wird, die ein großer Symbolschritt in die falsche Richtung wäre – wieder einmal.

Auch die Idee “Netze in Nutzer*innenhände” finde ich persönlich übrigens gar nicht schlecht. Man müsste nur halt mal..!

In diesem Moment sitzen zig Menschen vor der Timeline oder ihrem Blog und gießen ihre Gedanken zu diesem Thema in Worte: Wütende, ängstliche. Lasst uns jetzt, wo wir wieder einen Anlass haben, weiter gehen. Lasst uns dafür sorgen, dass den Worten auch Taten und Aktionen folgen. Lasst uns wieder eine Generation sein!

Posted in: Politik